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F: Herr Püribauer, Sie haben 1000 Tiere für die Zeitschrift Falter gezeichnet, die nun versammelt in einem Prachtband erschienen sind, sind Sie immer noch kein Vegetarier?

 

Püribauer: Nein, Vegetarier war ich, wie ich meine Oma kennengelernt habe.

 

F: Wann haben Sie Ihre Oma denn kennengelernt?

 

Püribauer: Wie ich den Führerschein abgeben habe müssen, da hat sie mich bei der Polizei ausgelöst. Bis dorthin hat sie ja geglaubt, ich bin ein Perverser, weil ich so viele Geschlechtsteile zeichne. Aber dann hat sie mich mit heimgenommen, und ich habe ihr gesagt, dass ich kein Perverser bin, sondern ein Vegetarier. Da hat sie mir gleich Gefüllte Paprika gemacht.

 

F: Mit gemischtem Faschiertem?

 

Püribauer: Nein, mit Schweinernem!

 

F: Und da haben sie wieder angefangen, Tiere zu essen?

 

Püribauer: Die Oma hat mich wieder zurückgebracht zum Fleisch, aber Schweinefleisch esse ich heute keines mehr, wegen der ganzen Bedrohung durch die fanatischen Schweinefleischverweigerer. Ich habe ein bisschen Angst, dass einmal eine Schweinswurst im Supemarkt … naja…

 

F: Vergiftet ist?

 

Püribauer: Ja, das ist meine ganz große Angst.

 

F: Haben Sie deswegen merkbar abgenommen?

 

Püribauer: Nicht wegen dem Schweinefleischverzicht. Aber ich bin gerade auf strenger Diät, zur Zeit esse ich kein Brot. So habe ich mich von „Ein bisserl zu viel“ auf „Immerhin 15 Kilo weniger“ heruntergehungert, nachdem ich ja vorher zum Rauchen aufgehört habe, von 60 auf 0 herunter. Ich habe ja schon so aus dem Mund gestunken, dass die Katze wegen mir das Haus verlassen hat! Jetzt ist es manchmal so, dass ich eine SMS kriege von der Oma, dass die Katze wieder daheim ist, und dann schau ich kurz vorbei, weil ich die Katze wieder mal sehen und streicheln will. Aber sie rennt gleich wieder weg, weil sie das ja in ihrem Schädel drin hat, dass ich so aus dem Mund stinke.

 

F: Wie haben Sie sich das Rauchen denn abgewöhnt?

 

Püribauer: Ich habe mir im Internet so spezielle Tabletten aus Polen bestellt, da sind mir dann zwar ein bisserl die Haare ausgegangen, aber aufs Rauchen habe ich auch keine Lust mehr gehabt.

 

F: Ist es eine spezielle Katze, die ihnen da davon gelaufen ist?

 

Püribauer: Na, nicht speziell, es ist halt der Jackson. Der ist am gleichen Tag geboren, wie der Michael Jackson gestorben ist.

 

F: Wie ist Ihr Blick zurück auf 1000 gezeichnete Tiere in 20 Jahren?

 

Püribauer: Was soll ich sagen? Zehn von den 20 Jahren war ich eingeraucht, fünf von den zwanzig Jahren war ich angesoffen, und seit fünf Jahren bin ich clean. Die beste Zeit waren vielleicht die drei Jahre, wo ich eingeraucht und angesoffen war, kurz bevor ich clean geworden bin.

 

F: Sind Sie in den zwanzig Jahren auch reifer geworden?

 

Püribauer: Nein, eigentlich nicht. Nach wie vor bin ich ein Enfant terrible, wie das glaub ich heißt. Einer, der versucht, die Komik in den hohen Olymp der Kunst hinauf zu heben. (blättert in der Zeitung:) Jössas, eine Lawine hat ganz Italien verschüttet? Da muss ich gleich wieder weinen, ich bin ja Schifahrer.

 

F: Weinen Sie oft und viel?

 

Püribauer: Ja, eigentlich schon sehr oft und sehr viel. So eine Ölkatastrophe zum Beispiel, da muss ich weinen, oder wegen Fukushima….

 

F: … eines ihrer Lieblingsthemen.

 

Püribauer: Ja, absolut zum Weinen! Wenn ich zum Beispiel irgendwo in Thailand bin zum Surfen, dort ist ja mittlerweile das ganze Meer voller Plastik.

 

F: Was hat das jetzt mit Fukushima zu tun?

 

Püribauer: Eh nix. Aber wegen Plastik muss ich halt auch weinen! Und Thailand ist halt auch in Asien, so wie Fukushima! Zu dem Thema Plastik im Meer hab ich sogar einen Song geschrieben, Dörty Beach, der kommt nächstes Jahr glaube ich endlich auf dem Debütalsbum von meiner Band Turbo Deli heraus, nach 15 Jahren harter Arbeit.

 

F: Verraten Sie uns den Titel des Debütalbums?

 

Püribauer: Best of.

 

F: Sie haben sogar ein eigenes Fukushima Aquarium geschaffen, das sie letztes Jahr im Museumsquartier ausgestellt haben, mit groteskt durch die Strahlung deformierten Fischen.

 

Püribauer: Und die Japanische Botschaft hat mir gleich geschrieben, dass ich das wegräumen muss, sonst schicken sie mir die Yakuza! Ich habe den Brief noch daheim, ich hoffe jedenfalls, dass die Oma ihn nicht weggeschmissen hat.

 

F: Mögen Sie lieber Insekten oder Säugetiere?

 

Püribauer: Insekten mag ich gar nicht, die sind nur als Nahrung interessant, oder dass man sie halt vernichtet mit dem Spray.

 

F: Sie dichten auch: „Das letzte, was der Biber tat, er biss in den Elektrodraht.“ Schütteln Sie die Reime einfach so raus?

 

Püribauer: Das fällt mir sehr leicht, Philosophie ist ja für mich sehr wichtig, ich bin ein sehr philosophischer Mensch.

 

F: Was hat das mit Dichtkunst zu tun?

 

Püribauer: Ist das nicht das Gleiche?

 

F: Der „Klane Biba“ (der kleine Bieber) ist ihr Lieblingstier, kann man das so sagen? Sie haben sogar ein Lied über ihn gesungen?

 

Püribauer: Naa, der Klane Biba geht mir am Arsch vorbei. Und das Lied kann ich live nicht einmal spielen.

 

F: Viele Ihrer Tiere sind angebissen oder zerschnitten oder sonst wie verunstaltet.

 

Püribauer: Die Natur ist halt brutal, was soll ich machen?

 

F: Wie und wo reiht sich der Mensch in dieser Natur und in Ihrer Welt der Tiere ein?

 

Püribauer: Der Mensch ist ja kein Tier, der ist ein Alien, ein Außerirdischer.

 

F: Ist das Ihre feste Überzeugung?

 

Püribauer: Auf jeden Fall.

 

F: Mögen Sie lieber gestreifte oder gepunktete Tiere.

 

Püribauer: Beides. Am liebsten ist mir ein Zebra, das auf einem Dalmatiner steht. Und der steht auf einer gestreiften Biene. Und die Biene auf einem gepunkteten Maikäfer. Die Abwechslung ist mir wichtig.

 

F: Was ist Ihnen als Künstler wichtiger? Die Musik oder das Zeichnen?

 

Püribauer: Naja, schon die Musik. Und das Zeichnen. Aber zeichnen kann ich nicht so gut, und Musik kann ich eigentlich auch nicht wirklich, also ist mir beides wichtig.

 

F: Sind Sie irritiert, wenn jemand mit Ihren Zeichnungen und den Jokes, die Sie transportieren, nicht gleich etwas anfangen kann?

 

Püribauer: Nein, irritiert bin ich überhaupt nicht, aber angefressen bin ich dann natürlich schon, da werd ich gleich ein bisserl agressiv, aber die Oma löst mich dann eh immer aus bei der Polizei.

 

F: Fühlen Sie sich oft unverstanden?

 

Püribauer: Sehr oft, wirklich. Wenn sich wer aufregt, dass die Duttel zum Beispiel bei irgendeinem Tier der Woche nicht am richtigen Platz sind, da werde ich agressiv, weil: Ist doch wurscht, wo die Duttel bei so eine Tier sind!

 

F: Und wieviele Duttel die MISS GEBURT zum Beispiel hat, das ist wahrscheinlich auch wurscht?

 

Püribauer: Na freilich ist das Wurscht! Das Gegenständliche, das ich zeichne, ist halt bei uns vielen schnell zu abstrakt.

 

F: Und zu ordinär auch?

 

Püribauer: Natürlich auch zu ordinär. Dabei male ich überhaupt nicht zu viele Geschlechtsteile, ich male halt auch Geschlechtsteile. Jedes Tier hat ja ein Geschlechtsteil, und warum soll ich das nicht malen, wenn ich das Tier auch male? Das Schöne an der Natur ist ja sowieso, dass dort keiner eine Windelhose anhat oder eine Unterhose trägt. Wenn ich über die Almwiese gehe, und da steht eine Kuh, dann sehe ich halt auch das Popschiloch von der Kuh, wenn ich hinter der Kuh stehe. Aber wenn ich die Kuh mit dem Popschiloch male, dann regen sich die Leute auf, nicht über die Kuh, aber über das Popschiloch.

 

F: Regen Sie sich bitte nicht so auf.

 

Püribauer: Ja ja, ich muss mich eh beruhigen. In letzter Zeit habe ich ja schon öfter gedacht, ich werde jetzt das Zeitliche segnen, weil ich jetzt 40 bin und voll die midlifecrises habe. Und dann habe ich mir gedacht, wenn ich auf Facebook sage, dass ich mich schlecht fühle, dann hebt das vielleicht die Preise meiner Bilder noch mehr an, also schreiben Sie bitte, dass es mir sehr schlecht geht.

 

F: Gerne. Ich habe den Eindruck, dass es Ihnen sehr schlecht geht.

 

Püribauer: Danke.

 

F: Wie stark sind Sie im heimischen und internationalen Kunstbetrieb verankert? Mit Bildern wie „Das letzte Arschloch“ (Ein in einem Glassturz ausgestelltes Arschloch) oder „Pob Art“ (ein Po mit einem behaarten Arschloch, das wie ein Bart aussieht) sollten Sie doch schon in den führenden Museen vertreten sein.

 

Püribauer: Die hohe Kunst für die komische Kunst zu interessieren, das ist sehr schwierig, da hat sich schon der Deix schwer getan, dass er als hoher Künstler anerkannt wird. Dabei könnte Komik ja so viel bewirken! Wenn die Leute lachen, dann können sie nicht Schweinswürste mit Giftspritzen präparieren. Jedenfalls ist es meine Mission, dass ich ins Geschichtsbuch der hohen Kunst eingehe, ein Komischer muss es ja einfach schaffen.

 

F: Wo und wie verkaufen Sie denn Ihre Kunst?

 

Püribauer: Ich mache jetzt einen online-Shop auf, ich habe schon einen Ungarn engagiert, der dort meine Werke anpreisen wird. Aber noch fallen ihm immer wieder ein paar Zähne heraus, der ist zwar selbst ein Ungar, aber mit den Zähnen ist das ein Drama bei dem. Dem passen die ungarischen Zähne einfach nicht, und die österreichischen auch nicht, obwohl sie ausschauen wie so eine Klaviertastenreihe, wenn er lacht.

 

F: Werden Sie im öffentlichen Internet verkaufen?

 

Püribauer: Nein! Im Darknet natürlich!

 

F: Wer zahlt das Porto für den Versand Ihrer Bilder?

 

Püribauer: Der Empfänger natürlich!

 

F: Gibt es ein Rückgabe- und Umtauschrecht?

 

Püribauer: Natürlich nicht! Wenn wem was von mir nicht gefällt, der muss wissen: Ich habe den Goldenen Gürtel in Karate.

 

F: Wird es eine Mindestbestellmenge geben?

 

Püribauer: Ab 50.000 Euro ist man dabei.

 

F: Werden Sie auch Tauschgeschäfte akzeptieren?

 

Püribauer: Sicher, wenn ich mal einen Porsche brauche für das Durchfahren der vielen Kreisverkehre da in Niederösterreich, dann tausche ich halt ein Bild dagegen ein.

 

F: Kann mit Sie mit sexuellen Angeboten zu einer Preisreduzierung bewegen?

 

Püribauer: Auf keinen Fall! Da ist die Oma ganz stark dagegen!

 

F: Mit kulinarischen Angeboten?

 

Püribauer: Mit Branntteigkrapferl schon, die kann die Oma nämlich nicht. Aber ich darf halt nicht wieder zunehmen, also bitte kein Brot!

 

F: Sind Sie fleißig, oder ein Fäupöz, wie eines Ihrer 1000 Tiere heißt?

 

Püribauer: Fleißig! Ich liebe Arbeit. Jeden Tag tue ich mit Freude arbeiten, außer, ich komme in der Früh nicht aus dem Bett! Aber jetzt habe ich wie gesagt eh die Ernährung umgestellt, und mit 15 Kilo weniger fällt das Aufstehen leichter.

 

F: Wie lange brauchen Sie durchschnittlich für ein Tier?

 

Püribauer: Zehn Sekunden bis eine Stunde.

 

F: Gibt es neue Projekte?

 

Püribauer: Marterpfähle. Schneemänner. Und mein Fukushima Aquarium werde ich ausbauen. Dazu kommen Trickfilme.

 

F: Haben Sie noch eine Botschaft an die Leser in diesen schwierigen Zeiten?

 

Püribauer: Kauft meine Bilder im Darknet!

 

 

 

 


 

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